Ein Hund rennt über eine Wiese
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Hüftgelenksdysplasie beim Hund - Deshalb ist frühzeitiges Handeln so wichtig

Ca. 250.000 Hunde leiden in Deutschland an Hüftgelenksdysplasie (HD).
Damit Folgeschäden verhindert werden und die Lebensqualität deines Lieblings lange erhalten bleibt, ist frühzeitiges Handeln essenziell wichtig.
Wir zeigen dir, worauf du bei der Behandlung unbedingt achten musst!



Was ist eine Hüftgelenksdysplasie überhaupt?

Die Hüftgelenksdysplasie gehört mit zu den bedeutendsten orthopädischen Erkrankungen des Hundes. Hierbei handelt es sich um eine genetisch bedingte Gelenksentwicklungsstörung, die durch verschiedene weitere Faktoren wie Ernährung und Haltung negativ beeinflusst wird und sich während der Wachstumsperiode entwickelt.

Die Erkrankung tritt vorrangig bei mittelgroßen und großen Hunderassen auf. Eine nachgewiesene genetische Komponente besteht z. B. beim Deutschen Schäferhund, Rottweiler, Boxer, Golden und Labrador Retriever, Bernhardiner, Neufundländer und Berner Sennenhund.

Die Ausprägung der Hüftdysplasie kann ganz unterschiedlich sein. So zeigen viele Hunde mit einer leichten Hüftdysplasie keine oder nur wenige Symptome und diese zum Teil auch erst im Seniorenalter.

Insbesondere ein zu hohes Körpergewicht und ein zu schnelles Wachstum wirken sich negativ auf eine bestehende Gelenkentwicklungsstörung aus. So zeigte eine Studie, dass Labrador Retriever, die ständig Futter zur Verfügung hatten, gegenüber Vergleichshunden, die nur 75 % der konsumierten Futtermenge erhielten, signifikant häufiger und früher Hüftgelenksarthrosen entwickelten.


Welche klinischen Symptome zeigen die erkrankten Hunde?

Die Symptome sind abhängig vom Schweregrad der Veränderung und vom Alter des Hundes.
Darüber hinaus sind sie häufig wenig spezifisch.

Betroffene Hunde zeigen z.B.:
  • Gangbildveränderungen (breitbeiniger Gang, watschelnder Gang)
  • Lahmheiten
  • Schwierigkeiten beim Aufstehen
  • Schwierigkeiten beim Treppensteigen, beim ins Auto springen etc.
  • verminderte Aktivität, Leistungsabfall
  • Muskelverlust


Wie wird eine Hüftdysplasie diagnostiziert?

Bei Verdacht sollten unbedingt eine Gangbildanalyse, eine Überprüfung der gelenkspezifischen Triggerpunkte, eine Gelenkfunktionsprüfung sowie Röntgenuntersuchung der Hüfte durchgeführt werden.


Wie kann man den erkrankten Hunden helfen?

Eine Heilung der Hüftgelenksdysplasie ist bis heute nicht möglich und so gibt es leider derzeit noch keine operative Methode, die die Entstehung von arthrotischen Veränderungen aufgrund der Hüftgelenksdysplasie zuverlässig verhindern kann.
Um arthrotische Folgeschäden bestmöglich zu verhindern und die Lebensqualität zu erhalten, sollten bestehende Gelenkerkrankungen frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden.

Hierfür eignen sich zwei Behandlungsansätze:
  1. konservative Therapie
  2. chirurgische Therapie

Je nach Rasse, Alter, Gewicht sowie Schweregrad der Erkrankung wird entschieden, ob der Hund konservativ behandelt werden kann oder ob eine Operation die besseren Erfolgsaussichten aufweist.


Die konservative Therapie

Ziel dieser Behandlung ist es, eine Stärkung und Verdickung der Gelenkkapsel zu erreichen, die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten und die Muskulatur zu stärken. Damit dies erreicht wird, werden verschiedene Therapien bzw. Ansätze miteinander kombiniert. Man nennt diese Behandlung von Ellbogengeleksdysplasie und Arthrose daher auch „multimodale Therapie“, die aus fünf Säulen besteht:

  1. Gewichtsreduktion: Da sich Übergewicht negativ auf eine Hüftgelenksdysplasie auswirkt und die Gelenke insgesamt stärker belastet, muss in jedem Fall dafür gesorgt werden, dass betroffene Hunde Idealgewicht haben. Ggf. muss eine Reduktionsdiät durchgeführt werden.

  2. Futterergänzungsmittel: Einige Vitalstoffe können den Gelenkstoffwechsel positiv beeinflussen. Studien zeigen, dass insbesondere Omega-3-Fettsäuren (z. B. Ida Plus Lachsöl), Chondroitinsulfat und Glukosamin, Pentosanpolysulfat sowie Neuseeländische Grünlippenmuschelextrakte (z. B. Ida Plus Grünlippmuschelpulver) möglicherweise zu einer Verbesserung der klinischen Symptomatik führen können.

  3. Angepasste Bewegung: Gemäß dem Spruch „Wer rastet, der rostet“ sollten auch Hunde mit Hüftgelenksdysplasien regelmäßig bewegt werden. Speziell die Bewegung auf weichen Untergründen (Waldboden, Rasen oder Sand) sowie leichte Steigungen, Spazierengehen durch hohes Gras sowie Schwimmen wirken sich positiv auf den Muskelerhalt aus. Unkontrollierte Bewegungen (rennen, Bälle jagen, mit anderen Hunden spielen, springen und Co.) belasten die Gelenke jedoch zu stark und sollten daher unterbunden werden.

  4. Physiotherapie und physikalische Therapie: Gezielte physiotherapeutische Übungen, die Anwendung von Kälte und Wärme, Massagen sowie Ultraschall- und Elektrotherapie oder die Arbeit auf dem Unterwasserlaufband können die Muskulatur gezielt aufbauen bzw. erhalten, Muskelspasmen abbauen, die Gelenkbeweglichkeit unterstützen und damit die Gelenkfunktion fördern. Selbst Studien zeigen, dass sich durch Physiotherapie der Bedarf an Schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten in vielen Fällen verringert. 
Auch zu Hause kannst du verschiedene Übungen durchführen, um die Gelenkfunktion und die Muskulatur zu unterstützen. Im letzten Abschnitt des Blogbeitrags zeigen wir dir drei Übungen, die du ganz leicht und ohne viel Aufwand zu Hause durchführen kannst.

  5. Medikamente: Schmerzen und Entzündungen müssen adäquat behandelt werden. Beim Hund kommen hierfür in der Regel sogenannte nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID) zum Einsatz. 
WICHTIG: Humanmedizinische Präparate wie Ibuprofen oder Diclofenac sollten niemals einem Hund gegeben werden, da sie zu schwerwiegenden Nebenwirkungen (Magen/Darm-Blutungen und Nierenversagen) führen können.


Die chirurgische Therapie

Je nach Alter sowie Gewicht des Hundes und Schweregrad der Erkrankung kommen verschiedene Operationstechniken infrage.


3 physiotherapeutische Übungen für zu Hause

1) Cavaletti-Training

Dieses Training trainiert die Muskulatur, das Gleichgewicht und verbessert das Körpergefühl. Hierfür kannst du 3 bis 5 Hürden (z. B. Besenstiele etc.) so niedrig aufbauen, dass dein Hund diese langsam übersteigt (nicht überspringt). Der Abstand zwischen den Hürden sollte so groß sein, dass immer nur Platz für einen Tritt ist und der Hund dadurch abwechselnd bei jedem Schritt mit den Hinter- oder Vorderbeinen darüber steigt.
Die Übung kann täglich für 5 Minuten (idealerweise über den Tag) verteilt, durchgeführt werden.
Auf YouTube, z. B. bei Hey-Fiffi (Link) findest du einige Anleitungen zum richtigen Cavaletti-Training.


2) Isometrische Übungen

Durch diese Übungen kommt es zu einer Spannungsänderung im Muskel. Dadurch werden das Körpergefühl und das Gleichgewicht gestärkt sowie der Muskelaufbau unterstützt. Hierzu legst du beide Hände flach seitlich des Beckens auf. Nun übst du sacht abwechselnd Druck auf deine Handflächen aus (rechts - links - rechts etc.). Der Hund sollte dabei keinen Seitenschritt machen, sondern lediglich sein Gewicht zu dir hin verlagern. Anschließend wiederholst du die Übung im Bereich der Oberschenkel und danach im Bereich des Kreuzbeins, indem du jetzt beide Hände flach übereinanderlegst und leichten, wippenden Druck nach unten ausübst.
Du kannst diese Übung mehrmals täglich für einige Minuten wiederholen.
Auf YouTube, z. B. bei Kluge Hunde (Link) findest du auch entsprechende Anleitungen und Übungen.


3) Gleichgewichtsübungen

Die Balanceübungen stärken die Muskulatur deines Hundes, verbessern die Koordination und fördern die Konzentration. Hierfür kannst du ein spezielles Balancekissen, eine Matratze oder eine nicht voll aufgepumpte Luftmatratze nutzen. Es gibt zahlreiche verschiedene Übungen, die durchgeführt werden können. Z. B. kannst du deinen Hund auf die Matratze locken, sodass er mit allen Füßen draufsteht. Anschließend lässt du ihn sich hinsetzen und wieder aufstehen.
Diese Übung kannst du nun 3 bis 5x wiederholen. Wichtig ist, dass alle Übungen langsam und sauber ausgeführt werden. Insgesamt sollte das Training nicht länger als 5 Minuten gehen.
Auf YouTube findest du wieder tolle Videos zum Thema, z. B. von Bellini Hundephysio (Link).

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